Bitcoin - Währungsflucht ins Internet

Man kann sie nicht angreifen, aber zumindest im Internet damit handeln oder zahlen. "Bitcoins" sind eine neue Form von elektronischem Geld. Im Sog von Euro- und Bankenfrust erleben sie einen gefährlichen Hype.

Im Internet ist schon vieles erfunden worden, was zuerst belächelt, dann bestaunt und schließlich akzeptiert worden ist. Doch ob das auf die Bitcoins zutrifft, darf stark bezweifelt werden. Der "Schöpfer" dieser neuen Art von Währung ist übrigens ein "Hacker". Niemand kennt seinen richtigen Namen. Man weiß auch nicht, ob es einer oder mehrere sind.

2009 jedenfalls haben er (oder sie) eine "völlig neue Form von Währung" erfunden. Sie ist unabhängig von Zentralbanken und Regierungen. Transaktionen sind völlig kostenlos.

Das Bezahlen funktioniert, indem man Bitcoins an jemanden sendet, der diese als "Währung" akzeptiert. Die erste bedeutende Transaktion war 2010 eine Bestellung für eine Pizza um 25 Dollar, für die man damals 10.000 Bitcoins hergeben musste. Schätzungen zufolge besitzen etwa 50.000 Menschen Bitcoins, die im weltweiten Netz da und dort als Zahlungsmittel akzeptiert werden. In Zeiten, da ständig die Rede von "Eurokrise" ist und viele Menschen sich Sorgen um ihr Erspartes machen, stoßen solche Ideen auf fruchtbaren Boden. Dass Bitcoin-Programme vor allem in Spanien und Zypern zu beliebten "Downloads" zählen, mag nicht verwundern. Doch vor allem Tausende "User" aus der Hacker-Szene stürzten sich seit der Einführung auf die Bitcoins. Es gibt zwei Möglichkeiten, daran zu kommen:

- Man muss ein Programm auf seinem Computer installieren, das komplizierte Rechenfolgen erledigt. Ist das erfolgreich, hat man ein Bitcoin "verdient", die Erfinder nennen das "Mining". Mit handelsüblichen Rechnern funktioniert das aber nicht, es würde Jahre dauern, bis man ein Bitcoin "geschürft" hat. Daher ist das Ganze etwas für Web-Spezialisten.

- Oder man kann Bitcoins über "Börsen" auch kaufen. Jetzt wird es gefährlich: Auf der Handelsplattform "Mt. Gox" kostete ein Bitcoin vor einem Jahr noch fünf Dollar. In den letzten Wochen explodierte der "Wert" förmlich um mehr als 1000 Prozent, um dann am 11. April binnen weniger Stunden wieder um die Hälfte abzustürzen.

Schon einige Zeit wird gemutmaßt, dass hier eine Art "Pyramidenspiel" läuft, bei dem diejenigen, die am Anfang einstiegen, die Dummen abzocken, die an die ständige Wertsteigerung glauben. Schließlich beträgt der "Wert" der im Umlauf befindlichen Bitcoins über eine Milliarde Dollar.

Auch der Verdacht, dass über das World Wide Web Geldwäsche betrieben wird, steht im Raum. Zwar beteuern die Protagonisten, dass die Internet-Währung "unabhängig" sei und "vor Inflation schütze", doch es gibt keine Kontrolle und keine Transparenz. Bitcoins wurden auch schon durch Hackerangriffe auf Internet-Seiten gestohlen. Selbst die Betreiber der offiziellen Bitcoin-Website geben zu, dass Kurssprünge um 50% auch in Zukunft zu erwarten sind.

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