Telefone ohne Grenzen

Sind Sie schon einmal mit einem Touchscreen-Handy im Internet gesurft? Vielleicht nach einem Filmtitel, der Ihnen in einer hitzigen Diskussion über den einen Schauspieler - wie hieß der denn noch einmal gleich? - nicht eingefallen ist. Und wie haben Sie das gemacht? Mit den Fingern den Namen in die virtuellen Tasten und ins Google-Fenster gedrückt, dann runtergescrollt bis zum Wikipedia-Link und die Seite mit den Fingern aufgezogen? Ja, genau so. Und danach breit grinsend lautstark den recherchierten Namen verkündet. Als ob sie selbst draufgekommen wären. So etwas macht Spaß. Und das nicht nur Ihnen allein.

Berühren statt tippen. Dabei war das iPhone bei Weitem nicht das erste Gerät mit einem Touchscreen. Nicht einmal das erste mobile Gerät mit einer berührungsempfindlichen Oberfläche. Denn diesen Platz nehmen schon die sogenannten Electronic Organizer Ende der 1980er ein, die Vorgänger der PDAs, der Personal Digital Assistants. Der Name Palmtop (Palm = Hand) - für einen Computer, der auf der Hand aufliegt - kam mit den erfolgreichen Geräten von U.S. Robotics. Bis Handys unsere Kommunikation und somit auch die Welt veränderten, dauerte es aber noch.

Erste Schritte. Und als die tragbaren Fernsprechgeräte da waren, gab es auch schon Handys mit Touchscreen, wie etwa das T919 des österreichischen Handyherstellers Tel.Me. Dieser Koloss war übrigens umständlich via Stick zu bedienen. Das große Problem der Geräte von damals: In Touchscreen-Telefone wurden Betriebssysteme und -oberflächen eingebaut, die von Tastenhandys stammten. Allein durch die berührungsempfindlichen Displays wurde die Bedienung um nichts einfacher. Auch arbeitete der Touchscreen oft nicht zuverlässig und flüssig. Kein Wunder, dass diese seltsamen Telefone, die nicht - wie alle anderen - mit Tasten zu bedienen waren, damals als Exoten galten.

Der Touchscreen-Kult. Erst das Kult Handy mit dem angebissenen Apfel im Logo konnte mit einer intuitiven, logischen Touchscreen-Bedienung punkten. Und damit den Handymarkt revolutionieren. Andere Hersteller haben mit entsprechenden Modellen nachgezogen. Und der Touchscreen hat sich als Standardtechnik für die Eingabe und Steuerung von Smartphones durchgesetzt. Dass jetzt übrigens gleich so viele weitere Mobiltelefone mit den intuitiv einfach zu bedienenden Sensorbildschirmen in den Regalen stehen, ist allein dem technischen Fortschritt zu verdanken. Denn die Displays sind erst heute richtig dafür ausgereift und leiten nur mehr die Befehle ans Innere des Handys weiter, die mit einem oder eben zwei Fingern auf die Oberfläche getippt wurden. Etliche Vorgängermodelle waren da nicht so gehorsam.

Hoher Komfort. Die Vorteile eines Touchscreens liegen auf der Hand: Die Platzersparnis, die sich durch die Einsparung einer richtigen, ausgewachsenen Tastatur ergibt und die komfortable Bedienung, die ganz neue Funktionalitäten eröffnet. So macht die mit den Fingern gesteuerte Sensortechnologie, in Verbindung mit einer maßgeschneiderten Software, viele Anwendungen möglich, wie etwa das Hineinzoomen in ein Foto, das durch das Auseinanderschieben von zwei Fingern funktioniert. Mit einer reinen Tastatursteuerung wäre dies unmöglich. Aber es klappt, weil die neue Touchscreens mehrere verschiedene Fingerbewegungen als unterschiedliche Befehle erkennen. So vergrößern sich etwa auch die einzelnen Tasten der Tastatur automatisch oder es lässt sich mit einfachen Wisch-Bewegungen auf dem Display einfach umblättern oder scrollen - um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

So funktioniert ein Touchscreen

Bei der heutigen Touchscreen-Technologie für Handys gibt es im Wesentlichen zwei verschiedene Verfahren. Das eine sind berührungsempfindliche (resistiv), das andere durch ein elektrisches Feld (kapazitiv) gesteuerte Systeme.

Das resistive Display: Über einer mit einer leitenden Oberfläche beschichteten Glasscheibe liegt eine Folie. Mit kleinen Abstandhaltern wird diese von der Glasscheibe getrennt. Durch Druck auf die Folie kommt es zu einer Berührung zwischen der Folie und dem Glas. Der genaue Punkt wird berechnet und als Impuls in das Handy weitergeleitet. Dabei lassen sich die meisten Systeme über einen mitgelieferten Stift oder Stylus bedienen. Diese Eingabehilfen haben einen wesentlich genaueren Druckpunkt als eine Fingerkuppe.

Das kapazitive Display: Bei einem kapazitiven Display ist die Oberfläche mit einem Metall-Oxid beschichtet auf dem ein elektrisches Feld angelegt ist. Allein durch die Berührung des Displays mit einem elektrisch leitfähigen Gegenstand wie einem Finger ändert sich das elektrische Feld, so dass es zu einem elektrischen Impuls kommt. Der Impuls wird an das darunterliegende LCD übertragen. Alles Weitere, wie eine Buchstabenvorgabe und die Vergrößerung oder Verkleinerung des Dargestellten, übernimmt dann die Software.