Aktuelle Investmenttipps

Wir stehen jetzt vor einer anderen Anlageherausforderung wie noch in den 1990er-Jahren, wir waren Renditen von fünf bis sieben Prozent bei Anleihen und sieben bis zwölf Prozent bei Aktien gewohnt. Die Herausforderung auch noch der nächsten Jahre wird sein, Erträge über der Inflationsrate von zwei bis drei Prozent zu erwirtschaften.

Woraus hat sich die Finanzkrise denn entwickelt? Wir haben in den letzten 20 Jahren sinkende Zinsen, niedrige Inflationsraten, eine hohe Geldmengenwachstum und eine starke Liberalisierung der Kapitalmärkte gesehen. Infolge dessen kamen die Kapitalerträge zurück auf drei bis vier Prozent bei Anleihen und fünf bis zehn Prozent bei Aktien und man war auf der Suche nach mehr, ohne auf die Risiken zu achten. Wir erleben derzeit auch eine Verschiebung der Machtverhältnisse. Traditionell starke Volkswirtschaften wie die USA, Japan und Europa kommen zunehmend in Schwierigkeiten, Schwellenländer wie die Türkei, China, Indien oder Brasilien gewinnen an Bedeutung mit einer jungen Bevölkerung, einem hohen Wirtschaftswachstum, meist vergleichsweiser geringen Verschuldung, mit einem starken Reformwille, starken Kapitalzuflüssen und hoher Geldmengenwachstum. Daher müssen Anleger umdenken. Was in der Vergangenheit Stabilität ins Portfolio brachte, muss dies heute nicht mehr tun. Fünfjährige amerikanische oder europäische Staatsanleihen sind nicht mehr interessant. Interessanter sind Staatsanleihen von gut wirtschaftenden, wachsenden Volkswirtschaften wie Mexiko, Indonesien oder den Philippinen, von fundamental gut dastehenden Staaten wie Schweden, der Schweiz oder Norwegen sowie von soliden Unternehmen. Was man sich al s Anleger aber vor allem mehr als je zuvor überlegen sollte, ist, mit wem man Anlagegeschäfte machen und wo man anlegen möchte. Gebe es nicht die volle staatliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro, sondern hier einen Selbstbehalt, würde man nicht nur auf den ultimativen Zinssatz, sondern auch auf die Bonität der Bank schauen.

Wer wagt, gewinnt

Vor allem das letzte Jahrzehnt ist von außerordentlichen Geschehnissen geprägt: Die Internet-Blase, die platzte, oder die jüngste Blase rund um Chinas Wachstumsstory und damit verbunden den Rohstoffaktien. Mit vielen Aktien konnte man nichts verdienen, fundamentale Bewertungen wurden oft nicht wahrgenommen. Da plagten sich Value-Aktien insbesondere.

Nach dem Motto "Wer wagt, gewinnt!" raten Experten derzeit, mehr Risiko zu nehmen, also in Aktien zu investieren. Die Renditen auf Staatsanleihen sind entweder lächerlich und nur vermeintlich sicher - siehe Deutschland - oder das Risiko ist es wie bei Italien oder Spanien einfach nicht wert. Die Aktien können - ähnlich wie Immobilien - die nächsten "Real Assets" sein, da Unternehmen mit deutlich weniger bis gar keinen fundamentalen Problemen kämpfen müssen und oft mit einem hohem Liquiditätspolster ausgestattet sind.

Derzeit sind besonders Value-Aktien interessant (Value-Growth-Aktienstrategie von Warren Buffet). Bei diesen Werten handelt es sich meist um Unternehmen mit stabilen Einnahmen, es geht also nicht um große Wachstumshoffnungen. Gerade in Zeiten erhöhter Unsicherheit greift man oft auf solche Werte zu. Inzwischen dauert die Krise beinahe fünf Jahre, es gibt also reichlich Opportunitäten, wobei Value-Aktien derzeit am günstigsten bewertet sind. In Europa ist das unter anderem auf die Währungskrise zurückzuführen . Darunter hatte vor allem der Bankensektor gelitten, der ebenfalls zum Value-Bereich zählt.